Aktuelles und Spannendes aus der Studienrichtung

In der Studienrichtung Versicherung werden die vielfältigen Erkenntnisse aus den Vorlesungen mit diversen Veranstaltungen und Exkursionen verknüpft, zu denen Sie hier ausgewählte Kurzberichte finden. Kooperative Forschungsprojekte mit Dualen Partnern verbinden Theorie und Praxis und bieten Studierenden die Möglichkeit, ihr Wissen auf praktische Problemstellungen anzuwenden – ein Gewinn für Firmen und Studierende.

Mit der Payment Service Directive 2 (PSD2) wurden im Jahr 2019 Banken dazu verpflichtet, die Daten Ihrer Kunden für Drittanbieter zu öffnen, sofern eine entsprechende Kundeneinwilligung vorliegt (sog. Open Banking). Ziel dieser regulatorischen Maßnahme ist es, den Wettbewerb auf dem europäischen Finanzdienstleistungsmarkt durch innovative Produkte und Serviceangebote zu fördern.

Entstehung und Idee digitaler Finanzassistenten

Als ein Ergebnis lässt sich die Entstehung sog. digitaler Finanzassistenten beobachten. Hierbei werden per Datenabruf oder durch manuelle Eingabe Finanzdaten eines Kunden über verschiedene Anbieter (z. B. verschiedene Banken und Versicherungen) in einer Online-Anwendung zusammengeführt. Für den Kunden bieten digitale Finanzassistenten unter anderem den Vorteil, ihre gesamte Finanzsituation anbieterübergreifend schnell und einfach im Blick zu haben und so finanzielle Entscheidungen auf Basis einer verbesserten Informationslage zu treffen.

 

Neben Banken bilden sich zunehmend auch Versicherungsunternehmen als Anbieter solcher digitalen Finanzassistenten heraus. Versicherer verfolgen damit einerseits das Ziel, ihren Kunden ein zusätzliches Serviceangebot machen zu können und so z. B. neue Kundenkontaktpunkte zu schaffen. Andererseits eröffnet ein digitaler Finanzassistent Versicherern die Möglichkeit, ihre Geschäftsmodelle um datengetriebene Elemente weiterzuentwickeln.

Erfolg digitaler Finanzassistenten abhängig von Kundenakzeptanz

Der Erfolg des Angebots eines digitalen Finanzassistenten hängt letztlich von der Akzeptanz des Kunden ab, seine Finanzdaten in einer Online-Anwendung zusammenzuführen und diese dem Versicherer so zur Verfügung zu stellen. Ziel des Forschungsprojekts ist es daher, diejenigen Faktoren zu identifizieren, die die kundenseitige Akzeptanz zur Verwendung eines digitalen Finanzassistenten beeinflussen. Versicherer, die digitale Finanzassistenten anbieten oder ein entsprechendes Angebot planen, können die Untersuchungsergebnisse für die Ausgestaltung und Vermarktung ihrer Anwendungen verwerten.

Kooperation mit Dualem Partner

Für die Untersuchung werden Erkenntnisse des „Technology Acceptance Model (TAM)“ und des „Internet Users‘ Information Privacy Concern (IUIPC)“-Ansatzes genutzt. Befragt wird ein Panel von ca. 2.000 Personen im Zeitraum Juni bis Juli 2021. Die Umsetzung des Forschungsvorhabens erfolgt in Kooperation mit dem Dualen Partner Alte Leipziger Lebensversicherung a.G.

Ansprechperson: Prof. Dr. Sascha Kwasniok

Am 18. März 2021 startete ein neuer Workshop für die Studierenden der Hochschule, im Stundenplan stand ein "Design Thinking Workshop" und keiner der Studierenden  wusste so recht, was man sich hierunter vorstellen sollte. Auch für die Dozentin Amelie Kollhoff (neuearbeitszeiten) war dies eine Premiere. Statt einer (von den Studierenden erwarteten) Vorlesung, welche das Thema Design Thinking behandelte, hielt sie ein Programm für die Studierenden bereit, das so gar nicht typisch fürs Studierendenleben ist. Basierend auf den Ideen der "New Work" und des agilen Arbeitens gab es eine Aufgabe ohne Vorgaben, ein Thema ohne Präzision und eine einmalige Chance für die Studierenden: Innerhalb von 4 Wochen sollten 5 Gruppen einen Pitch vorbereiten zum Thema "Zukunft Versicherung – Wie der Nachwuchs arbeiten will und wird". Dieser Pitch sollte dann einer Jury von 7 in der Versicherungswirtschaft tätigen Fachleuten präsentiert werden.

4 spannende Ansätze zur Zukunft der Arbeitswelt in der Versicherungswirtschaft

Bei den Vorbereitungen der Pitches lief nicht alles glatt, so wie das im agilen Arbeiten häufig passiert, deshalb mussten aus 5 Gruppen unter dem Hashtag #fehlerpassieren plötzlich 4 werden. Das Motto der Veranstaltung lautete: "4 Wochen – 1 Thema – 4 Teams – 1 Jury – 7 Experten – 4 Pitches – 1 Team gewinnt". So machten sich also 4 Teams darüber Gedanken, wie sie als Nachwuchskräfte in der Versicherungswirtschaft einmal arbeiten wollen. Diese Ergebnisse wurden dann 4 Wochen später, am 09. April 2021, als Pitches von je 5-10 Minuten vor der Jury online präsentiert.

Die Jurymitglieder waren: Dr. Marco Adelt (COO & Co-Gründer von CLARK), Tanja Donkersloot (Leiterin der Abteilung Online beim AOK-Bundesverband), David Gorr (Redakteur beim Verlag Versicherungswirtschaft), Luise Hübbe (Chief Strategy Officer von Experience One), Senad Musa (Chief Customer & Communications Officer bei der mailo Versicherungs AG), Jens Springmann (Innovation Coach bei der creaffective GmbH) und Lysander Weiss (Partner bei Venture Idea).

And the winner is …

Erstaunlich war, dass jede Gruppe ein anderes Format für ihren Pitch gewählt hatte und die Konzepte und Vorstellungen der Gruppen auch sehr weit auseinanderlagen. So legte ein Team in seinem Pitch besonderen Wert auf die Work-Life-Balance, ein weiteres Team setzte die Digitalisierung in den Vordergrund und betonte die Relevanz der sozialen Medien auch im Versicherungsbereich. Ein weiteres Team warf die Befürchtung in den Raum, dass die Kreativität im Bereich der Versicherungswirtschaft zu kurz käme und dass diese stärker gefördert werden sollte.

Als Sieger kürte die Jury jedoch das Team, dass sich für eine Idee entschied, die die zunehmende Globalisierung und kulturelle Fähigkeiten in den Vordergrund stellte. Mit dem internationalen Ansatz "12 Monate – 12 Länder –  12 Kulturen" konnte das Team "Insurance Journey #ZEIGTMIRDIEarbeitsWELT" die Jury überzeugen. Das Team beschrieb eine Art internationales Trainee-Programm, mit welchem die Nachwuchskräfte innerhalb eines Jahres Erfahrungen in den Auslandsgesellschaften sammeln und ihren Horizont erweitern können. Das Programm eignet sich für Versicherungsgesellschaften, die weltweit tätig sind, kann aber auch für regionale Versicherer einen großen Mehrwert bieten, da die Kundschaft immer internationaler wird. Hierfür könnte etwa ein Austauschprogramm mit anderen im Ausland ansässigen, Gesellschaften etabliert werden.

Mit diesem Thema griff die Gruppe einen sehr aktuellen Sachverhalt auf, setzte sowohl die Bedürfnisse der Nachwuchskräfte als auch die Entwicklung von Versicherungsunternehmen in den Vordergrund und präsentierte hierfür einen spannenden Lösungsvorschlag.

Als Highlight für die Studierenden, die an dem außergewöhnlichen Workshop von Amelie Kollhoff teilnehmen durften, wurde dem Siegerteam eine besondere Ehre zuteil: Sie wurden in einem Artikel in "Versicherungswirtschaft heute" vom Jurymitglied David Gorr mit Idee, Namen und Bild erwähnt.

Im Rahmen des Integrationsseminares „Human Resource Management – New Work & Agility“ von Herrn Prof. Dr. Klaus-Jürgen Jeske verbrachten Studierende des Studiengangs BWL - Versicherung am 23. und 24. September 2019 zwei aufschlussreiche und interessante Seminartage bei Pirelli in Breuberg und Steelcase in München. Eigenverantwortlich gestaltete und organisierte die Studiengruppe diese zwei Exkursionen rund um das Thema Arbeitsplatzgestaltung, moderne Personalarbeit und Folgen der Digitalisierung.

Digitalisierungsstrategie 4.0 bei Pirelli

Der erste Seminartag startete in Breuberg bei der Pirelli Deutschland GmbH. Zu Beginn erhielt die Gruppe einen Einblick in ein effizientes Projektmeeting und in aktuelle Maßnahmen zur technischen Umsetzung von der Digitalisierungsstrategie 4.0 im Unternehmen. Anschließend wurden der Gruppe unterschiedliche technische Realisationen und Einsatzmöglichkeiten von digitalen Entwicklungen präsentiert und in Verbindung mit der strukturellen Geschäftsstrategie von Pirelli vorgestellt. Mit diesem theoretischen Hintergrundwissen wurden die Studierenden im weiteren Verlauf durch den Reifenherstellungsprozess am Standort geführt. Somit konnten die Teilnehmer live und praxisnah einen Eindruck von der realisierten Digitalen Transformation zur Optimierung der ganzen Wertschöpfungskette wahrnehmen. Nach der Führung wurde abschließend eine offene Frage- und Diskussionsrunde eröffnet, bei der sich die Studiengruppe primär die Frage stellte, ob durch die Verzahnung von moderner Informations- sowie Kommunikationstechnik und industrieller Produktion vor allem die Mitarbeiter durch strenge Arbeitsbedingungen und Abbau von Personal, als Konsequenz die Leidtragenden sind.

Außergewöhnliche Arbeitsbereiche bei Steelcase

Am nächsten Seminartag fuhren die Teilnehmer*innen nach München zu Steelcase, ein Unternehmen, welches auf Büroeinrichtungen spezialisiert ist und innovative Raumlösungen als Dienstleister anbietet. Die Begrüßung fand im hauseigenen WorkCafé statt und wurde in einem sogenannten WorkSpace weitergeführt. Dort wurde die Gruppe über den rasanten Wandel der Arbeitswelt und den daraus resultierenden Herausforderungen, auch aufgrund der Umweltfaktoren, für die Personalarbeit aufgeklärt. Im weiteren Verlauf des Tages wurden die Studierenden interaktiv durch die verschiedenen Ebenen und Arbeitsbereiche des Unternehmens geführt, um insbesondere die Gestaltung motivierender Arbeitsbedingungen selbst zu erfassen. Entsprechend der Unternehmensphilosophie „Inspirierende Räume fördern Innovationen“ gestaltet sich die ganze Unternehmenskultur sowie Arbeitsplatzgestaltung und Einrichtung innerhalb des Unternehmens. Demnach konnte der Studiengruppe erfolgreich eine positive Umsetzung von flexiblen Strukturen, modern-mobilen Arbeitsplätzen und fördernder Mitarbeiterbindung aufgezeigt werden.

Aus Gegensätzen Erkenntnisse ziehen

Am Ende der zwei Seminartage konnten die Studierenden vor allem den gegensätzlichen Umgang mit den externen Umweltfaktoren in der Arbeitswelt mitnehmen. Auf der einen Seite Tracking und Benchmarking als Kontrollmöglichkeit in der Industriebranche und auf der anderen Seite die Nutzung neuer Arbeitsformen zur Mitarbeiterbindung- und Motivation. Mit Hilfe dieses Einblickes in zwei vollkommen konträre Arbeitswelten schreiben die Teilnehmer*innen des Integrationsseminares in Einzel- oder Gruppenarbeiten eine schriftliche Seminararbeit.