„Ich würde es wieder tun“

50 Jahre BWL - Spedition, Transport und Logistik

Steve Jobs gründet Apple. Die erste Sonde landet auf dem Mars. Rosi Mittermaier holt zweimal Gold bei den Olympischen Winterspielen. Zahlreiche Ereignisse prägten das Jahr 1976. Auch für die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mannheim war es ein besonderes Jahr. Zum 1. Oktober 1976 ging die Studienrichtung BWL - Spedition, Transport und Logistik an den Start. Grund genug für die Verantwortlichen der Hochschule, auf fünf Jahrzehnte Logistik-Lehre zurückzublicken und einen Ausblick auf die Zukunft zu geben. Mit mehr als 100 geladenen Gästen, darunter zahlreiche Absolvent*innen, feierte sie am Dienstag im Audimax der Hochschule ihr 50-jähriges Bestehen. 

 "Die Studienrichtung BWL - Spedition, Transport und Logistik ist ein absolutes Erfolgsmodell", betont Prof. Dr. Harald Hartmann, Studiendekan Internationales Management und Logistik an der DHBW Mannheim. Er macht das auch an den Studierendenzahlen fest: Insgesamt 4 113 Logistikinteressierte waren an der DHBW und ihrem Vorgänger, der Berufsakademie Mannheim, seit 1976 eingeschrieben. Etwa ein Drittel entfiel auf die ersten 25 Jahre (damals mit ca. 52 Studierenden pro Jahrgang), zwei Drittel entfielen auf die zweiten 25 Jahre (mit etwa 112 Studierenden pro Jahrgang). Und wer sein Diplom oder seinen Bachelor (Umstellung im Jahr 2006) in der Tasche hat, erinnert sich gerne zurück, wie Prof. Dr. Nils-Ole Hohenstein, der mit Prof. Hartmann durchs Programm führte, berichtete. "Was bleibt, ist die Liebe zur DHBW und die Liebe zur Logistik", betonte er – und natürlich das Netzwerk, das die Menschen verbinde. Eine besondere Bestätigung des Studienangebots sehen beide in der Rückmeldung der Absolvent*innen: Drei Viertel erklären, sich wieder für diese Studienrichtung zu entscheiden. 

Karriere-Sprungbrett in die Logistik, Absolvent*innen sagen: Ich würde es wieder tun

Das gilt auch, wenn man die Akademiker*innen aus Mannheim Jahrzehnte später dazu befragt – wie eine Talkrunde mit Ehemaligen des ersten Jahrgangs 1976 bei der Jubiläumsfeier zeigte. "Ich würde es wieder tun", sagte einer von ihnen und berichtete, dass auch seine Kinder an der DHBW studiert hätten. Obgleich damals alles neu war, empfanden sie das Lernangebot als sehr strukturiert, vielseitig und gut aufgebaut. Für viele war es ein Sprungbrett in eine Karriere in der Logistik. Das belegen auch die Beispiele von Stefan Hohm, Chef Development Officer beim Logistikdienstleister Dachser aus Kempten, und von Holger Michalka, Geschäftsführer der Maschinenfabrik Reinhausen. Beide berichteten von ihren Erfahrungen an der damaligen Berufsakademie (Hohm aus dem Jahrgang 1992 und Michalka aus dem Jahrgang 1994) und gaben Einblicke in ihre aktuellen Tätigkeiten. Sein Jahrgang aus etwa 30 Absolvent*innen treffe sich noch immer regelmäßig, erzählte der Dachser-Manager und sprach von einer tollen Truppe. Stefan Hohm schätzt die Verbindung von Wissenschaft und Praxis, wie sie an der DHBW Mannheim gelebt wird, und teilt die Überzeugung der DHBW-Verantwortlichen, dass der Hunger nach Wissen niemals gestillt ist. "Auch bei Dachser war das lebenslange Lernen schon immer ein hohes Gut", betonte er.

 "Bei der DHBW steht nicht nur Logistik drauf, sondern ist auch Logistik drin"

Die 15 Studierenden der ersten Stunde fanden noch keinen geräumigen Campus vor. Ein IBM-Gebäude in Autobahnnähe diente als Standort der Berufsakademie. Professorinnen und Professoren gab es an der Einrichtung damals auch noch nicht, erst zwei Jahre später kam mit Ulrich Bülles der erste Professor an die BA. Für heutige Verhältnisse ungewöhnlich war auch die Organisation des Hochschulbetriebs: Die Fäden liefen beim Verband Badischer Spediteure (Nordbaden) und namentlich bei Klaus Charissé zusammen, der teilweise auch die Bewerbungen der angehenden Studierenden entgegennahm. Damals hatte die Branche noch Tarife und Spediteur*innen benötigten Konzessionen, wie Andrea Marongiu in einem Grußwort erwähnte. Der Geschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL) machte auch heutigen Schulabgänger*innen Mut, sich für eine Karriere in der Logistik und für ein Bachelor-Studium an der DHBW zu entscheiden. Logistik made in Germany habe Zukunft. "Und bei der DHBW steht nicht nur Logistik drauf, sondern ist auch Logistik drin – machen Sie weiter so!"

Thematisch, qualitativ und zwischenmenschlich gut aufgestellt für die Anforderungen von morgen

Für die Zukunft der Studienrichtung macht sich auch Rektor Prof. Dr. Jörg Baumgart keine Sorgen. Mit einem neuen Studienmodell, das den Anforderungen der Zukunft Rechnung trägt, sei die DHBW gut für die Zukunft gerüstet – ob es um die Megathemen Künstliche Intelligenz, Elektromobilität oder Nachhaltigkeit gehe. Die Studienrichtung Spedition, Transport und Logistik sei eine der größten unter dem Dach der BWL. "Und nicht alle Fachrichtungen haben sich fünf Jahrzehnte erfolgreich halten können." Das Erfolgsrezept an der DHBW Mannheim besteht für Michael Lang, Vorsitzender des DHBW-Freundeskreises, aus dem Dreiklang aus Wirtschaft, Lehre und einem lebendigen Alumni-Netzwerk. "Alle drei Bereiche agieren nicht nebeneinander, sondern miteinander und verfolgen das gleiche Ziel, würdigte er. Logistik sei immer dann erfolgreich, wenn man sie nicht sehe. "Wird sie sichtbar, gibt es Störungen" – so wie aktuell durch das Niedrigwasser im Rhein.

Studie der DHBW zur Resilienz in der Logistik zeigt bei der Schulung noch Luft nach oben

Derartige Störungen verursachen hohe Kosten – nicht nur bei Logistikdienstleistern, auch bei der verladenden Wirtschaft. Das Rhein-Niedrigwasser von 2018 habe bei BASF zu Zusatzkosten von 250 Millionen Euro geführt, erläuterte Prof. Hohenstein, der in dieser Zeit die globale Supply Chain bei dem Chemiekonzern steuerte. In einer aktuellen Studie hat er ermittelt, wie Unternehmen auf solche Lieferkettenstörungen eingestellt sind und welche Maßnahmen zur Resilienz sie ergriffen haben. Das Problembewusstsein ist in den Unternehmen angekommen, wie die Umfrage unter 508 Teilnehmenden zeigt. 43 Prozent stufen Risiken in der Lieferkette als hoch, 21 Prozent sogar als sehr hoch ein. 40 Prozent sehen die hohe und 25 Prozent die sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass geopolitische Spannungen zunehmen. Prozesse, um Supply Chain-Risiken in den Griff zu bekommen, haben 58 Prozent der Unternehmen definiert. Ebenso hoch ist der Anteil der Unternehmen, die über Pläne zur Unternehmensfortführung und Notfallpläne verfügt. Bei der Schulung der Mitarbeitenden und ihrer Sensibilisierung in Sachen Resilienz gibt es aber noch etwas Luft nach oben. Bei 20 beziehungsweise 23 Prozent der Befragten sind diese Schritte in Planung beziehungsweise noch nicht umgesetzt. Das Niedrigwasser im Rhein ist eine reale Lieferkettenstörung – die Ausprägung mag historisch sein, das Phänomen ist nicht neu. Bereits 1976 hatte die Logistikbranche mit ihren Folgen zu kämpfen – somit gibt es auch einige herausfordernde Konstanten in der Logistik seit der Gründung der Studienrichtung BWL - Spedition, Transport und Logistik.