Kennt Branchen, Firmen und die internationale Arbeitswelt

Die neue WI-Professorin Simone Krug im Interview

Frau Prof. Dr. Simone Krug ist es gewöhnt, die einzige Frau in einem Meeting zu sein, und das macht ihr nichts aus. Denn sie ist in einem Fachbereich tätig, der ganz und gar ihren Fähigkeiten entspricht. Als mathematikaffiner Mensch hat sie sich gefreut, mit der Wirtschaftsinformatik eine Studienrichtung zu finden, die in vielen Branchen gebraucht wird. In der man BWL um IT-Inhalte ergänzt und lernt, beide Seiten miteinander zu verbinden und zu verstehen. Nach verschiedenen Wohnorten in ganz Deutschland hat sie an der Universität Mannheim nicht nur inhaltlich gefunden, was sie glücklich macht, sondern auch geografisch. Daher blieb sie, promovierte, und machte sich danach als Beraterin rund um GxP und Compliance selbstständig. 8 Jahre lang stand sie Firmen unterschiedlicher Größen und Branchen zur Seite, vom Maschinenbau über die Energie- und Automatisierungstechnik hin zum Bereich Finanzen und Banken sowie vor allem in der Chemie und Bio-Technologie. Dabei war sie viel unterwegs, hat u. a. in den USA, Frankreich, England und Australien gearbeitet und geforscht. Mit diesem Erfahrungsschatz aus internationaler Tätigkeit begleitet sie seit dem 1. Februar 2021 Studierende im Studiengang Wirtschaftsinformatik - International Management for Business and Information Technology (IMBIT).

Herzlich willkommen, Frau Prof. Dr. Simone Krug. Sie haben 8 spannende und sicherlich sehr lehrreiche Jahre als Beraterin hinter sich – warum haben Sie sich für die Professur an der DHBW Mannheim entschieden?

Ich finde das duale Studienmodell sehr überzeugend und glaube, dass ich meine Erfahrung mit unterschiedlichen Unternehmen – vom Start-up über mittelständische Familienunternehmen bis zum internationalen Großkonzern – sehr gut in die Lehre einfließen lassen kann. Außerdem freue ich mich darauf, als Professorin an der DHBW Mannheim Wissenschaft und Praxis miteinander zu verknüpfen. Durch die Bachelor-Arbeiten unserer Studierenden bleibe ich up to date, was die aktuellen Problemstellungen in den Unternehmen betrifft und daher arbeite ich auch weiterhin sehr nah an der unternehmerischen Realität. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt war, dass mir die kollegiale Stimmung in der Berufungskommission sehr zugesagt hat. Und mich begeistern die DHBW-Studierenden – sie bringen sehr viel mit, vor allem Selbstständigkeit und eine persönliche Reife. Hut ab vor jeder*m Studierenden, die*der sich für ein duales Studium entscheidet. Ich denke, die Professur wird eine sehr bereichernde Tätigkeit für mich sein.

Welche Veranstaltungen bieten Sie an?

Momentan sind das Vorlesungen zum wissenschaftlichen Arbeiten und zu Java-Programmierung sowie Betriebs- und Kommunikationssysteme. Also einige Grundlagenfächer, die vorher Herr Prof. Mayr gelesen hat, der aber mittlerweile in den Ruhestand gegangen ist. Außerdem das Modul Neue Konzepte, das ich im 3. Studienjahr lehre und worin ich mich austoben kann, da ich hier auch Erfahrungen aus meinem Werdegang rund um Künstliche Intelligenz einfließen lassen kann. KI und Data Science sind tolle Bereiche, auf die ich mich zukünftig gern in der Lehre fokussieren würde. 

Was reizt Sie an Ihrer Aufgabe? Haben Sie sich ein bestimmtes Ziel gesetzt?

So einfach es klingt, aber zunächst einmal ist es mir wichtig, gute Lehre zu machen. Mir hat es schon sehr früh Spaß gemacht, Wissen zu teilen und deswegen habe ich auch während meines Studiums ein Hochschuldidaktikzertifikat erworben. Toll finde ich, dass die Kursgruppen an der DHBW Mannheim klein und daher prädestiniert sind für eine starke Interaktion. Ich werde immer mal wieder neue Lehrkonzepte ausprobieren und dabei ausloten, was den Studierenden am meisten Spaß macht. So z. B. auch agiles Arbeiten – die Projektarbeit wird nicht am Ende eines Semesters angefertigt, sondern die Studierenden arbeiten jede Woche in kleinen Schritten daran. An der Uni Mannheim habe ich schon eigene Lehrkonzepte erstellt und tolles Feedback bekommen – daran möchte ich anknüpfen.

In welchen Bereichen forschen Sie?

In der Anfangszeit möchte ich mich erst auf die Lehre konzentrieren. Aber für die Zukunft plane ich, mich noch tiefer mit Data Science und Big Data auseinanderzusetzen. Ein weiterer denkbarer Forschungsbereich könnte Compliance sein.  

Inwiefern können Studierende von Ihrem beruflichen und wissenschaftlichen Know-how profitieren?

Ich konnte durch mehrere teilweise 12-monatige Auslandsaufenthalte interkulturelle Erfahrungen sammeln, die natürlich für IMBIT-Studierende sehr interessant sind. Hinzukommt die Zusammenarbeit mit unterschiedlich gearteten Firmen. Inhaltlich habe ich mich sehr viel mit Compliance beschäftigt, was ein hochregulierter Bereich ist, den ich unseren Studierenden auch gern optional anbieten würde. Es ist natürlich ein sehr spezialisiertes Fachgebiet, aber gerade dieses Spezialwissen hebt einen ab und kann Türöffner zu bestimmten Firmen sein. Ich glaube aber auch, dass es für unsere Studierenden wichtig ist, dass ich als Frau in diesem Bereich lehre. Die Studierenden wachsen bereits in der Gesellschaft und in ihren Unternehmen damit auf, dass immer mehr Frauen in Führungspositionen und diese Unternehmen dadurch erfolgreicher sind – das ist wissenschaftlich erwiesen. Schade, dass man den Mehrwert von Diversität überhaupt noch betonen und das finanzielle Argument herangezogen werden muss. Ich würde gerne für unsere Studierenden auch ein Stück weit als Vorbild dienen. Ich habe selbst mit BAföG in einem Fach mit überwiegend männlichen Kommilitonen studiert und habe nebenbei gearbeitet. Zunächst hatte ich mir vorstellen können an einem anderen Lehrstuhl zu promovieren, von dem mir aber gesagt wurde, dass ich dort als Frau keine Chance hätte. Es ist traurig, dass solche Aussagen noch getroffen werden, aber ich war froh, die Info zu haben. So habe ich mich nach etwas Neuem umgeschaut und eine passende Option gefunden. Was ich damit sagen möchte: Kein Weg, auch nicht meiner, ist vorgezeichnet, daher ist es wichtig, mutig und offen zu bleiben, um seinen eigenen Weg zu finden.  

Würden Sie das auch als Tipp für ein erfolgreiches Studium an Ihre Studierenden weitergeben?

Genau. Es gibt sehr viele spannende Themengebiete, in die man eintauchen kann. Wer mit Interesse und Neugier über den Tellerrand schaut, sich über die vorgegebenen Inhalte hinaus etwas engagierter zeigt und unterschiedliche Möglichkeiten nutzt, hat gute Karten, in dem 3-jährigen Studium tolle Erfahrungen zu sammeln. Natürlich weiß ich, dass die Zeit ein limitierender Faktor ist. Mir hat es immer Spaß gemacht, auf dem Laufenden zu bleiben und neue Entwicklungen im Blick zu behalten. So öffnen sich gelegentlich neue Türen für den eigenen Werdegang.

Gibt es noch etwas außerhalb der Lehre, dass Sie Ihren Studierenden mit auf den Weg geben möchten?

Es liegt in der Natur des Menschen zu kooperieren – und das sollte man sich immer vor Augen führen. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass man im Austausch mit anderen sehr viel gewinnen und geben kann. Viele trauen sich nicht, einfach mal nachzufragen. Aber mehr als ein Nein kann man sich nicht abholen. Das gilt z. B. für den Austausch mit Expert*innen in einem bestimmten Bereich, mit Professor*innen oder aber auch für die Studierenden untereinander, denn als Einzelgänger*in wird das Studium hart.

Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?

Ich bin sehr viel draußen, ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad, und mache Yoga. Außerdem interessiere ich mich sehr dafür, Neues zu Lernen. In der aktuellen Phase ist das etwas eingeschränkt, aber trotzdem ein stetiger von Neugier getriebener Begleiter. Auch bei der DHBW bin ich bereits zu mehreren Fortbildungen eingeschrieben – das Angebot ist klasse!