Ein Wirtschaftsingenieur im Bankwesen

Vorstellungsinterview Prof. Dr. Markus Kremers

Astrophysik, Wirtschaftsingenieurwesen, Bank-Controlling und Führungskräfte-Wissen oder lieber Snooker, Naturfotografie und Work-Life-Balance? Wer sich mit Prof. Dr. Markus Kremers unterhält, kann in zahlreiche Themenwelten eintauchen. Und wird von seiner Begeisterungsfähigkeit angesteckt. Ein Glück für seine Studierenden, die von seiner Berufserfahrung, seinem Enthusiasmus und von den vielfältigen Impulsen aus seinem Werdegang profitieren können – menschlich wie fachlich.  

Angefangen hat der heutige Professor für BWL - Bank und BWL - Finanzdienstleistungen nicht als Banker, sondern als Wirtschaftsingenieur an der RPTU Kaiserslautern. Erste Berührungspunkte zum Bankwesen kamen über Studienarbeiten und dann über die Diplom-Arbeit zum Risikomanagement. Welches Potenzial in ihm steckt, erkannte einer seiner Professoren und so bot sich Hr. Kremers die Gelegenheit, bei einem Schüler von Prof. Henner Schierenbeck – einem der Päpste des Bankwesens – zu promovieren und eine Assistentenstelle zu besetzen. Was für ihn zunächst unvorstellbar war, wurde zur Routine. Und so lehrte er seither bei mehreren Hochschulen – von der RPTU, über die Hochschule Karlsruhe, die Akademie Deutscher Genossenschaften, die Fachhochschule Kaiserslautern und die Steinbeis Hochschule in Stuttgart. Parallel zu seinen Lehrtätigkeiten war er hauptberuflich als Managementberater tätig, bis er 2005 ins Controlling der neu zu gründenden KfW IPEX-Bank einstieg. 2010 ging es für ihn in der Muttergesellschaft weiter, wo er 15 Jahre lang Abteilungsdirektor im Finanzcontrolling war und zuletzt fachliche Projekte leitete. 

Nun ist der erfahrene Controller Professor an der DHBW Mannheim und berichtet in seinem Vorstellungsinterview, warum er sich für die Lehrtätigkeit an unserer Hochschule entschieden hat, was ihn als Professor ausmacht und warum ihm die Arbeit im Controlling Freude bereitet hat. 

Herzlich willkommen an der DHBW Mannheim, Hr. Prof. Kremers. Wie war Ihr Start an unserer Hochschule? 

Der Start war sehr gut. Vereinfacht wurde er dadurch, dass ich schon 2025 mit Lehraufträgen angefangen habe und somit die Kolleg*innen und die Hochschule vorab kennenlernen konnte. Ich muss sagen, eigentlich jede Person, mit der ich hier zu tun habe, ob in den Studiengängen oder in der Verwaltung, ist unglaublich freundlich und hilfsbereit. Etwas eingeschränkt war ich zu Beginn wegen einer Knieoperation, daher fanden die Vorlesungen online statt. Das war für die Studierenden zwar eine Herausforderung, aber wir haben gemeinschaftlich das Beste daraus gemacht. Ich habe mich darüber gefreut, dass sie so flexibel waren und Interaktion aufkam. 

Warum haben Sie sich nach 27 Jahren in der Wirtschaft für die Professur an der DHBW Mannheim entschieden? 

Die Lehre war mir immer wichtig und seit der Promotion Teil meines Lebens. Als die Fachprojekte bei der KfW allmählich zu Ende gingen, habe ich mich gefragt, wo mich mein Weg noch hinführen kann und bin in den akademischen Stellenanzeigen der ZEIT auf die Ausschreibung für diese Professur gestoßen. Ich wohne nicht weit weg von hier, daher habe ich mich einfach mal beworben. Nachdem ich die Unterlagen abgeschickt hatte, wurde mir bewusst, wie gern ich diesen Job machen wollte. Jetzt bin ich sehr glücklich mit der Entscheidung, denn ich habe unglaublich viel Lust drauf, mein umfangreiches Praxiswissen und die theoretischen Fundamente an die nächsten Generationen weiterzugeben. Es ist ein abgegriffener Spruch, aber ich kann wirklich sagen, ich habe meine Berufung zum Beruf gemacht. Das hätte ich mir als Student oder Schüler überhaupt nicht vorstellen können. 

Warum? 

Für mich war es ein Horror, vor einer Gruppe etwas zu erzählen. Aber als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RPTU musste ich dann. Ich erinnere mich noch sehr genau: Die erste Lehrveranstaltung, die ich an der Uni gemacht habe, war unser Pflichtfach im Grundstudium „Investition und Finanzierung“ in einem Hörsaal vor Hunderten von Studierenden. Das war eine Schocktherapie. Doch ich habe mich dann fachlich weiterentwickelt und sehr schnell gemerkt, wie viel Spaß mir das macht. 

Der Lehrauftrag hier fiel in die Zeit, in der das Bewerbungsverfahren auf die Professur lief? 

Genau. Erst nachdem ich mich auf die Professur beworben hatte, habe ich gesehen, dass eine ehemalige Kollegin vom Lehrstuhl von Finanzdienstleistungen und Finanzmanagement der TU Kaiserlautern hier auch Professorin ist: Prof. Dr. Ulrike Geidt. Mit ihr habe ich Kontakt aufgenommen und so hat sich die Dozentur ergeben. 

Hat die Zeit als externer Dozent Ihre Entscheidung, sich zu bewerben, bestätigt?

Ja, das ist definitiv so. Ich habe bereits an unterschiedlichen Bildungseinrichtungen gelehrt, aber die Verzahnung von Theorie und Praxis ist an der DHBW eine besondere – ich finde das Konzept ganz toll. Durch die kleinen Gruppen ist die Lehre deutlich persönlicher als in gefüllten Hörsälen großer Universitäten. Das macht viel Spaß.

Welche Veranstaltungen bieten Sie an und welche Inhalte finden Sie besonders spannend? 

Einer der Gründe für meine Bewerbung an der DHBW Mannheim war, dass ich mich gern mit neuen Themenstellungen befassen wollte – dass man in der Lehre ziemlich breit aufgestellt ist, ist einer der Vorteile an Hochschulen wie der DHBW. Ich lehre sowohl in BWL - Bank als auch BWL - Finanzdienstleistungen Grundlagenfächer wie Investition und Finanzierung oder Grundlagen des Bankbetriebs, aber auch spezielle, für mich teils neue Themen wie Compliance, Unternehmensbewertung oder Nachhaltigkeit. Insbesondere bei Letzterem freue ich mich schon darauf, mich inhaltlich reinzustürzen und ein Lehrkonzept zu entwickeln, gern auch zu forschen. Ich bin mir sicher, dass Nachhaltigkeit noch ein großes Thema im Bank- und Finanzwesen wird. 

Inwiefern können Studierende von Ihrem beruflichen und wissenschaftlichen Know-how profitieren?

Betriebswirt*innen sind Spezialist*innen für bestimmte Themen; Ingenieur*innen schauen auf das große Ganze. Genau das habe ich in meinem Wirtschaftsingenieurwesen-Studium gelernt: Ich denke sehr stark in Zusammenhängen. Das finde ich sehr wichtig – zumal viele unserer Studierenden mal Führungskräfte werden wollen und man diese Fähigkeit dafür braucht. Die Welt wird immer komplexer und daher lernen die Studierenden in meinen Veranstaltungen, auch über den Tellerrand zu schauen.

Sie hatten schon angedeutet, dass Sie zur Nachhaltigkeit forschen möchten. Wie kann man sich das vorstellen und gibt es noch weitere Themenfelder, die Sie vertiefen möchten? 

Das Bankwesen steht vor der Herausforderung, Nachhaltigkeitsthemen in die Banksteuerung einzubauen. Hierzu gehören z. B. der Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken oder die Steuerung der Nachhaltigkeitswirkung. Das alles in einer quantitativen Unternehmenssteuerung miteinander zu verbinden, ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Ich halte das für ein wichtiges und spannendes Thema, zu dem es noch kaum Forschung gibt. Außerdem möchte ich Themen weiter ausarbeiten, mit denen ich mich in den letzten Jahren bei der Bank intensiv beschäftigt habe, vor allem die Steuerung von Zinsrisiken. Ich freue mich sehr, dass mir die Professur die nötigen Freiheiten hierfür bietet. 

Sie sprechen mit einer unglaublichen Begeisterung von Ihrem Fachgebiet. Controlling wird aber eher selten als ein spannendes Themenfeld verstanden. Was finden Sie daran gut? 

Ich hätte mir das vorher eigentlich auch nicht so spannend vorgestellt. Ursprünglich wollte ich Astrophysik studieren. Da hat mich so ein bisschen die Mathematik abgeschreckt, weshalb ich dann Wirtschaftsingenieur geworden bin. 

Es ist nun mal so, dass Banken bzw. Finanzdienstleister eine sehr zentrale Rolle in der Wirtschaft spielen – sie halten die Wirtschaft am Laufen, ohne sie geht es nicht. Das macht die Arbeit in der Branche interessant. 

Und wenn man im Controlling arbeitet, ist das mehr als nur bunte Berichte erstellen. Es geht um die Beratung des Managements: Analysieren, bestimmten Themen nachgehen, Handlungsempfehlungen für das Management ableiten. Das ist eine enorm spannende Aufgabe. Man lernt, wie das Unternehmen funktioniert und bildet es in einer Zahlenwelt ab. Dadurch hat man auch Einfluss im Unternehmen. Der Beruf ist sicherlich nicht für jede*n was, eine Zahlenaffinität sollte man schon mitbringen. Aber, jetzt komme ich wieder zum Anfang, als Controller*in muss man das große Ganze verstehen. 

Welcher Tipp in Ihrem Leben war für Sie besonders wertvoll?

Das war der Tipp meines Vaters, nach dem Studium an der Universität zu bleiben. Ohne diesen Schritt wäre ich heute ein völlig anderer Mensch. Mein Vater war kein Akademiker, aber er hat sich das immer für mich gewünscht. Als mir angeboten wurde, zu promovieren, hat er mich sehr dazu motiviert. Das war im Nachhinein betrachtet auch eine goldrichtige Entscheidung. 

Was raten Sie Studierenden für ein erfolgreiches Studium?

Nutzen Sie die Studienzeit, um Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Eigenverantwortung zu entwickeln. Einerseits persönlich: Ich bin für mein Studium 300 km von Zuhause weggezogen, habe mich gelöst und gelernt, für mich selbst verantwortlich zu sein. Das war ein wichtiger Schritt. 

Aber auch fachlich: Spätestens an der Hochschule sollte man herausfinden, wie man selbstorganisiert lernt, und nicht die Erwartung haben, dass alles perfekt und mundgerecht vorbereitet ist – denn so ist ein Studium einfach nicht gedacht und so ist es auch nicht im Berufsleben. Man wird mit unklaren Entscheidungssituationen konfrontiert, muss sich eine Meinung bilden und entscheiden; und ganz besonders, wenn man Führungskraft werden will. Also diese Selbstständigkeit, Mut und Umgang mit Unsicherheit. Das sind drei ganz wichtige Punkte, die unsere Studierenden lernen sollten. Außerdem würde ich ihnen den Tipp geben, das Studium von Anfang an ernst zu nehmen, weil es doch ziemlich anspruchsvoll ist.

Gibt es etwas, das Sie Ihren Studierenden – außerhalb der Lehre – mit auf den Weg geben möchten?

Das Studium oder den Beruf sollte man zwar ernst nehmen, aber beides sollte nicht über allem stehen. Ziehen Sie abends in der Gruppe los, machen Sie sich zwischendurch den Kopf frei. Das gilt nachher für den Beruf genauso. Es gibt Leute, die leben ausschließlich für ihren Job. Dass das phasenweise mal passiert ist, ist ok – die Bereitschaft muss man manchmal auch mitbringen, doch ich finde, Privatleben und Familie sollten nie ständig hinter dem Beruf zurückstehen. Ich wünsche mir für meine Studierenden, dass sie lernen, ihre Prioritäten richtig zu setzen. 

Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten? 

Ich mache lange Spaziergänge mit unseren Hunden und mache als ambitionierter Hobbyfotograf gern Naturaufnahmen. Außerdem spiele ich Snooker. Schon im Studium habe ich mich mit einem Studienkollegen zum Snookerspielen getroffen. Ich habe immer gesagt, wenn ich mein Haus baue, dann gibt es einen Raum, in den ein Snookertisch reinpasst. Und jetzt ist es so und mein Studienkollege kommt immer noch regelmäßig vorbei.  

Vielen Dank und alles Gute, Hr. Prof. Kremers!