Von den Vereinten Nationen an die Duale Hochschule

Dr. Markus Schief ist neuer Professor in Digital Business Management

„Es lohnt sich, in sein eigenes Wissen zu investieren“ – so einfach, so wahr und so gut zu belegen, wenn man sich den Werdegang desjenigen anschaut, der den Satz gesagt hat. Der neue Professor an der DHBW Mannheim, Herr Prof. Dr. Markus Schief, hat sich seit Beginn seines Industrie-Studiums an der damaligen Berufsakademie Mannheim an diesem Leitsatz orientiert und ist lebendes Beispiel für Dualität. Seinem dualen Partnerunternehmen SAP SE blieb er nach dem Bachelor-Abschluss zunächst als Quality Specialist, dann als Projektmanager und auch während des anschließenden Master- Fernstudiums an der University of West Florida treu. Nach einem aufwendigen Zulassungs- und Nachakkreditierungsverfahren begann er seine Forschungstätigkeit bei der SAP SE und promovierte gleichzeitig an der TU Darmstadt im Fachbereich Wirtschaftsinformatik | Software & Digital Business zum Thema „Business Models in the Software Industry: The Impact on Firm and M&A Performance“. Nach 11 Jahren bei SAP ging er 2013 nach New York, um als Projektmanager im Sekretariat der Vereinten Nationen die SAP-Implementierung „Umoja“ zur Digitalisierung der Verwaltung mit mehr als 40.000 Nutzer*innen an 400 UN-Standorten voranzutreiben. Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Leitung der „Umoja Academy“, das globale ERP-Schulungsprogramm für Manager*innen und Prozessexpert*innen. 2017 ging es dann weiter nach Wien, wo er in der UN-Tochterorganisation „Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization“ mit der Leitung der SAP-Abteilung betraut war. Durch seine umfangreiche Erfahrung auf Softwarenanbieter- und Kundenseite entwickelte sich Prof. Dr. Markus Schief zum Experten für den gesamten Softwarelebenszyklus. Während seiner Tätigkeit bei den Vereinten Nationen nahm er sich noch die Zeit, um an der Hertie School in Berlin seinen Executive Master in Public Administration zu machen. Nach 7 internationalen Jahren ist er mit seiner Frau und 3 Kindern in die Region zurückgekehrt und lehrt seit 1. Oktober als Professor in BWL - Digital Business Management.

 

Herzlich willkommen an der DHBW Mannheim, Herr Prof. Dr. Schief. Was hat Sie dazu bewogen, die Arbeit bei den Vereinten Nationen aufzugeben und die Professur an der DHBW Mannheim anzunehmen?

Vielen Dank. Die Arbeit bei der UN war sehr spannend und lehrreich, sie erfordert aber auch eine gewisse Flexibilität, die man mit 3 Kindern nur sehr schwer, oder nur zu einem hohen Preis gewährleisten kann. Ich war 4 Jahre lang am New Yorker Hauptsitz angestellt, war aber in der ganzen Welt unterwegs. Als Paar ging das, da konnten wir die Stadt und die Umgebung entdecken und genießen, z. B. die vielen Wandergebiete drum herum. Als Familie mit kleinen Kindern hatten wir dann in Wien eine einmalige Zeit. Da wir unseren Kindern Stabilität für ihre Schulzeit bieten wollen und meine Frau und ich in der Rhein-Neckar-Region aufgewachsen sind, konnten wir uns auch eine Rückkehr gut vorstellen. Dass ausgerechnet hier eine Professur freiwurde, passte somit hervorragend. Ich hatte mich schon seit Längerem mit dem Gedanken befasst, in die Lehre zu gehen und auch schon diverse Erfahrungen gesammelt, so z. B. durch Lehrveranstaltungen an der TU Darmstadt oder Schulungen an der Umoja-Academy. Das Schöne an der jetzigen Professur ist, dass der Studiengang BWL - Digital Business Management noch recht jung ist und man dadurch viele Möglichkeiten hat, ihn mitzugestalten. Ich freue mich darauf, die Lehre mit Forschungstätigkeiten zu verbinden und dabei die Freiheit zu haben, die fachlichen Inhalte so zu organisieren, wie sie möglichst wertstiftend sind. Vor allem, um Studierenden ein hochwertiges Studium an der DHBW Mannheim zu gewährleisten.

Welche Veranstaltungen bieten Sie an und was kann man bei Ihnen lernen?

Ich halte Vorlesungen und Seminare in den BWL-Studienrichtungen Digital Business Management und Industrie. Neben diversen Grundlagenfächern liegt mein Schwerpunkt auf Veranstaltungen zu digitalen Lösungen und Geschäftsmodellen. Darin wird den Fragen nachgegangen, was genau sich hinter dem Begriff verbirgt, wie man mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen Geld verdienen kann, welche Komponenten variabel sind und ab wann es sich überhaupt um ein neues Geschäftsmodell handelt. Dabei ist mir wichtig, dass Studierende lernen, analytisch heranzugehen, um Geschäftsmodelle zu verstehen und selbst entwickeln zu können.

Haben Sie sich außerdem noch weitere Ziele gesetzt?  

Seit meiner Promotion in der Wirtschaftsinformatik hat mich die Schnittstellentätigkeit begeistert. Man verbindet technologisches Verständnis mit konzeptioneller Arbeit sowie dem Wissen rund um Geschäftsmodelle und muss am Ende immer Menschen von einem Produkt oder einem Prozess überzeugen. Schließlich liefern wir digitale Lösungen für Menschen, sodass wir diese auch stets im Fokus haben und ihnen die Vorteile aufzeigen müssen. Damit das gelingt, ist eine End-to-End-Perspektive essenziell. Die ganzheitliche Sicht ist meiner Meinung nach zentral, wenn man Geschäftsmodelle im digitalen Kontext entwickeln möchte. Genau das möchte ich meinen Studierenden vermitteln. Außerdem ist mir wichtig, dass die Studierenden den Wert der analytischen Arbeit erkennen, um eine hohe Qualität und damit den Erfolg digitaler Produkte zu sichern. Für diesen Zweck kann ich einerseits vieles aus meinem bisherigen Arbeitsleben berichten, es gibt aber auch sehr interessante, interaktive Lernmodelle, die ich z. B. an der Hertie School of Governance oder an der University of West Florida kennengelernt habe und ebenfalls mit meinen Studierenden anwenden möchte. Darin geht es nicht einfach um richtig oder falsch. Ich möchte mit ihnen Wissen diskutieren und bei ihnen ein vernetztes, kritisches Denken anstoßen. Am Ende geht es nämlich immer darum, dass sie fähig sind, selbstständig ein unstrukturiertes Problem zu lösen.

Ihr Werdegang ist seit dem Studienabschluss von Internationalität geprägt. Welchen Stellenwert soll dieser Aspekt in Ihrer Lehrtätigkeit haben?  

Ich halte Internationalität bzw. internationale Mobilität für sehr wichtig, da man dadurch seinen Wissens- und Erfahrungsschatz erweitert. Man wird empathischer und verständnisvoller. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir an der Hochschule noch mehr Studierende aus dem Ausland begrüßen dürften. So könnten auch unsere Studierenden lernen, sich in einem internationalen und interkulturellen Umfeld besser zurechtzufinden, was sich immer positiv auf die Mitarbeit in Projekten auswirkt. Zu diesem Zweck halte ich in der Regel meine Vorlesungen auf Englisch. Zudem sind digitale Produkte häufig durch globalen Wettbewerb gekennzeichnet und man kommt somit an der englischen Sprache nicht vorbei.

Werden Sie auch weiter im Bereich Geschäftsmodelle forschen?

Ja, ich würde gern an meine bisherige Forschungstätigkeit anknüpfen und eine deutschlandweite, selbstverständlich anonymisierte Geschäftsmodell-Datenbank aufbauen. Allerdings ist das eine sehr umfangreiche Aufgabe und erfordert eine hohe Bereitschaft zur Transparenz seitens der Unternehmen. Die Kombinationen an Geschäftsmodellen könnten analysiert und dann als Basis für Weiterentwicklungen genutzt werden. Für unsere Studierenden hätte die Forschungsarbeit natürlich auch einen großen Vorteil, denn sie könnten anhand realer Geschäftsmodelle lernen und hätten ein breites Basiswissen, um eigene Geschäftsmodelle zu entwickeln. 

Haben Sie einen Tipp für ein erfolgreiches Studium?

Gerade in unserem Arbeitsgebiet entwickelt sich alles schnell weiter, der Input hört nie auf. Die Noten halte ich eher kurzfristig für relevant, langfristig braucht man Wissen und vor allem Methodenkompetenzen. Meinen Studierenden möchte ich daher raten, sich so oft wie möglich kritisch mit den Inhalten zu beschäftigen und sie regelmäßig aus neuen Perspektiven zu reflektieren.

Und gibt es etwas, das Sie Ihren Studierenden außerhalb der Lehre mit auf den Weg geben möchten?

Ich denke, die Kombination aus Qualität, Begeisterung und Besonderem ist ein gutes Erfolgsrezept. Qualität setzt sich auf lange Sicht fast immer durch. Und wenn man etwas mit Leidenschaft und Freude tut, wird man einerseits darin gut sein und andererseits auch andere Menschen schneller von der Sache überzeugen. Schließlich sollte man auch nicht die sogenannte „strength of weak ties“ unterschätzen. Karrierechancen und Innovationen resultieren nämlich oft nicht nur aus Beziehungen, von denen man es erwarten könnte, wie z. B. ehemalige Kolleg*innen oder Vorgesetzte. Sondern sie ergeben sich häufig auch über lockere Bekanntschaften und zufällige Begegnungen, also in einem Umfeld, in dem man auch mal ungezwungen über seinen Beruf oder Hobbies spricht. Wenn man das mit Begeisterung tut, kann das Türen öffnen. Und dann kommt das Besondere hinzu: Wenn man noch etwas hat, das einen von anderen abhebt, bleibt man im Gedächtnis. In jedem Fall ist es eine gute Idee, seinen individuellen Präferenzen nachzugehen und sich selbst zu verwirklichen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?

Unsere 3 kleinen Kinder sind zurzeit unser Lebensmittelpunkt und wir genießen die gemeinsame Zeit als Familie. Als Ausgleich zur digitalen Welt sind wir viel in der Natur, fahren gern Rad oder Ski und gehen gern wandern.