Echte Menschlichkeit und die Macht der Körpersprache

Kommunikationsexperte Balian Buschbaum bei den Frauenwirtschaftstagen

Obwohl wir in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und fortschreitender Digitalisierung immer mehr und schneller kommunizieren, erreichen wir uns oft immer weniger. Der unpersönliche, digitale Kontakt nimmt enorm viel Raum ein – doch wahre Verbindung entsteht dort, wo Menschen einander persönlich begegnen. 

Wie wir in einer von Distanz geprägten Welt wieder zu mehr Präsenz, Empathie und echter Resonanz finden, zeigte der Bestsellerautor, Business Coach und Gründer der Deutschen Akademie für Führungskräfte Balian Buschbaum am 15.10.2026 an der DHBW Mannheim. Über 30 Teilnehmende – darunter Studierende, Lehrende, Mitarbeitende sowie etablierte und angehende Führungspersönlichkeiten – erlebten einen interaktiven, humorvollen und teils emotionalen Vortrag im Rahmen der diesjährigen Frauenwirtschaftstage.

80 % Körpersprache: Die stille Macht vor dem ersten Wort

Besonders eindrücklich verdeutlichte Buschbaum die Macht der nonverbalen Signale. Denn bevor überhaupt das erste Wort gesagt wird, hat der Körper längst gesprochen:
 

  • 80 – 90 % der menschlichen Wahrnehmung entfallen auf die Körpersprache, während die verbale Kommunikation lediglich 10 – 20 % ausmacht.
  • Wir haben meist nur eine zehntel Sekunde Zeit, um unser Gegenüber unbewusst davon zu überzeugen, dass wir sympathisch und vertrauenswürdig sind.

Wie das gelingt? Buschbaum demonstrierte es anhand konkreter Beispiele und Live-Analysen: Offene Gesten, ein ehrliches Lächeln, direkter Augenkontakt, entspannte Schultern und insbesondere sichtbare Hände signalisieren Sicherheit und schaffen sofortiges Vertrauen.

Da Paul Watzlawicks Grundsatz "Man kann nicht nicht kommunizieren" nach wie vor gilt, betonte der Referent auch die Gefahr unbewusster Fehlsignale: Passen gesprochene Worte und nonverbale Signale nicht zusammen, führt das beim Gegenüber unwillkürlich zu Verunsicherung und Skepsis.

Was kostet uns schlechte Kommunikation?

Buschbaum stellte eine entscheidende Frage in den Raum: Was kostet uns eigentlich schlechte Kommunikation?
 

  • In der Wirtschaft: Unfassbar viel Geld. Missverständnisse, ineffektive Kommunikation und schlechte zwischenmenschliche Beziehungen führen zu Frust, Fehlern und letztlich dazu, dass wertvolle Fach- und Führungskräfte Unternehmen verlassen.
  • Menschlich: Die echte Verbindung zueinander.

Konflikte verstehen: Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich

Warum aber entstehen Konflikte überhaupt so häufig? Buschbaum erklärte dies praxisnah anhand von Kommunikationsmodellen der Transaktionsanalyse: Konflikte entstehen meist dann, wenn Gesprächspartner*innen sich nicht auf derselben Ebene begegnen.

Wer die typischen verbalen und nonverbalen Muster von Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich lesen kann, gewinnt die Fähigkeit, das eigene Verhalten gezielt anzupassen, die Situation zu beeinflussen und Konflikte zu lösen. Wie, das erarbeiteten die Teilnehmenden gemeinsam mit dem Referenten anhand typischer Gesten und Beispiele aus dem Alltag.

Weibliche Kommunikation als Haltung und Wertschätzung als sozialer Klebstoff 

Doch was hat es mit dem Begriff der weiblichen Kommunikation auf sich, der auch den Titel seines Bestsellers prägt? Für Buschbaum dreht es sich dabei nicht um das biologische Geschlecht, sondern um eine innere Haltung. Sie zeichnet sich durch Empathie, Intuition, aktives Zuhören und Kooperation aus. Da "Kommunikation weniger Informationsaustausch und mehr Beziehungsereignis wird", seien das die zentralen Zukunftskompetenzen, so der Coach. 

Nachhaltig stärken kann man diese Beziehungen durch kleine, empathische Gesten und wertschätzende Worte, ob unter Kolleg*innen oder im privaten Umfeld. Dabei galt es auch eine weitere prägende Einsicht mitzunehmen: Die Vergangenheit einer Person kommuniziert immer mit. Wie Menschen z. B. in Konfliktsituationen reagieren, ist bereits in der Person angelegt – ein wichtiger Schlüssel für mehr Empathie und Nachsicht im Miteinander.

Praxistipps für eine klare und authentische Kommunikation

Für die eigene Umsetzung gab Balian Buschbaum den Teilnehmenden konkrete Werkzeuge an die Hand:
 

  1. Verstärken durch den Körper: Unterstreichen Sie Ihre Aussagen bewusst mit passender Gestik.
  2. Selbstanalyse: Analysieren Sie die eigene Wirkung – beispielsweise mit Hilfe von Videoaufnahmen oder gezieltem Feedback.
  3. Selbstreflexion bei Missverständnissen: Wenn eine Kommunikation schiefgeht, schauen Sie zuerst bei sich selbst: Was habe ich möglicherweise unbewusst signalisiert?

Ein Abend, der bewegt und nachwirkt

Abgerundet wurde der zweistündige Abend durch kurze Übungen, humorvolle Alltagsbeispiele und eine Frage- und Antwortrunde sowie die Möglichkeit, Buschbaums neues Buch persönlich signieren zu lassen.

Der Tenor des Abends war eindeutig: Technische Werkzeuge und KI können Prozesse beschleunigen, aber Präsenz, Menschlichkeit und echte Resonanz bleiben die unersetzbaren Zukunftskompetenzen unserer Gesellschaft. 

Wir bedanken uns herzlich bei Balian Buschbaum und bei Prof. Kathrin Kölbl (Gleichstellungsbeauftragte der DHBW Mannheim) und den Kolleginnen des Gleichstellungsteams Prof. Dr. Izaskun Gutiérrez Landa und Irmgard Förster für den spannenden Abend sowie bei allen Teilnehmenden für den wertvollen Austausch.