Studierende für eine dynamische Arbeitswelt vorbereiten

Prof. Dr. Jonas Vogt ist neuer Professor für Digital Finance

Daten zählen zu den wichtigsten Rohstoffen der Zukunft, auch in der Finanzwelt. Es gilt, Informationen aus Daten zu generieren und auf dieser Basis bspw. strategische Entscheidungen zu treffen, Geschäftsmodelle zu entwerfen oder Angebote für Kunden passgenau zu schaffen. In den BWL-Studienrichtungen Bank und Finanzdienstleistungen lernen Studierende die vielen Ausprägungen, Methoden und Strategien der Digitalisierung kennen, um die digitalisierte Zukunft mitzutragen. Seit 1. September 2020 neu in der Professor*innen-Riege: Herr Prof. Dr. Jonas Vogt.

Studium, Promotion und dann mitten in die Vermögensverwaltung

Nach einem VWL-Studium an der Universität Mannheim vertiefte Prof. Dr. Jonas Vogt seine Kenntnisse in Data Science an der Statistik-Fakultät der TU Dortmund, wo er auch promovierte, als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Master-Programm lehrte und erste Bachelor-Arbeiten betreute. Im direkten Anschluss ging es in die Finanzindustrie: Bei der Quoniam Asset Management GmbH, einem unabhängig operierenden Vermögensverwalter, der sich auf quantitatives Asset Management für institutionelle Kunden spezialisiert hat, war er seit 2013 für die statistische Modellierung und Datenanalyse im Bereich Equities und Asset Allocation zuständig. Sein Steckenpferd: Machine Learning.

Herr Prof. Dr. Vogt, herzlich willkommen an der DHBW Mannheim. Wie ist es ihnen in den ersten Wochen an der DHBW Mannheim ergangen? 

Vielen Dank. Ich bin sehr gut angekommen. Es ging gleich in die Vollen und es gibt immer noch sehr viel zu tun. Ich habe sofort Prüfungen abgenommen und bereits erste Online-Vorlesungen für Studierende der Studienrichtungen Bank und Finanzdienstleistungen gehalten. Momentan liegt der Fokus auf Digital Finance, das im 3. Studienjahr gelehrt wird. Zukünftig werde ich aber auch Veranstaltungen für Erstsemester-Studierende halten.

Warum haben Sie sich für die Professur an der DHBW Mannheim entschieden?

Dafür waren 3 Gründe relevant: Die Tätigkeit in der Lehre, verknüpft mit der Arbeit in meinem favorisierten Themengebiet und die positiven Aspekte der Dualen Hochschule. Während meiner Wissenschaftlichen Mitarbeit an der TU Dortmund und auch parallel zu meinem Job bei Quoniam habe ich bereits Lehrveranstaltungen gehalten, u. a. an der Frankfurt University of Applied Sciences. In meinem vorherigen Beruf habe ich sehr viel in kleinen Teams gearbeitet – jetzt freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit vielen unterschiedlichen, auch jungen Menschen. Außerdem kann ich dabei meine Fachinteressen sehr gut adressieren und miteinander verknüpfen: Kapitalmärkte und Data Science, also das Extrahieren von Informationen aus Daten.

Was ist für Sie das Besondere an der DHBW Mannheim?

An der DHBW Mannheim sagt mir das duale Studienmodell sehr zu. Es erlaubt mir, Kontakt zu Studierenden zu haben, die bereits in der wirtschaftlichen Realität stecken und daher recht schnell einen realistischen Blick auf die fachlichen Inhalte bekommen. Sie sammeln in kurzer Zeit viel Berufserfahrung und haben im Vergleich zu anderen Studierenden oft konkretere Vorstellungen, Ziele und Interessen. Was mir auch sehr gefällt, ist die Nähe zur Wirtschaft. Man bleibt up to date und bekommt durch die Studierenden Einblick in das aktuelle Tagesgeschehen in den Firmen und den Branchen. Auf der anderen Seite ist die Herausforderung, DHBW-Studierende in kürzerer Zeit als Studierende anderer Hochschulen mit dem gleichen Fachwissen zu versorgen.

Haben Sie sich für Ihre Professoren-Tätigkeit ein bestimmtes Ziel gesetzt?

Als Professor*innen begleiten wir die Studierenden in einer wichtigen Zeit und diese möchte ich sinn- und verantwortungsvoll füllen. Durch meine Zeit bei Quoniam habe ich praktische Erfahrung rund um datengetriebene Investmentlösungen und kenne mich mit Digitalisierungsthemen aus, die für die Zukunft relevant sind. Ich freue mich darauf, den Studierenden dieses Wissen zu vermitteln. Doch es sind nicht nur die reinen Inhalte, um die es mir geht. Ich möchte meine Studierenden auf eine anspruchsvolle Arbeitswelt vorbereiten, die sich in einem ständigen Wandel befindet und daher einiges von ihnen abverlangen wird. In meinem Berufsleben und meinem Arbeitsgebiet war es sehr wichtig, immer wachsam zu bleiben, sich regelmäßig weiterzubilden und neue Fähigkeiten anzueignen. Lebenslanges Lernen wird auch für unsere Studierenden einen hohen Stellenwert haben (müssen) und dafür können wir an der Hochschule die richtige Basis legen. In diesem Sinne möchte ich versuchen, meine Studierenden Neugierig zu machen und ihr Interesse oder sogar ihre Begeisterung für Inhalte zu wecken, die sie vorher nicht besonders spannend fanden. Natürlich gibt es immer auch Themen, die einen nicht packen, die aber notwendig sind, um das große Ganze zu verstehen und im Job gut agieren zu können – da muss man sich dann einfach stoisch durchkämpfen.

Momentan haben Sie vermutlich noch nicht genug Zeit dafür, aber in welchem Bereich würden Sie gern forschen?

Ja, noch ist es zeitlich etwas zu eng für aktive Forschungsarbeit. Aber ich habe schon ein Projekt am Laufen und zwar mit einigen ehemaligen Kollegen bei Quoniam, wo eine wissenschaftliche Herangehensweise zur Unternehmensstrategie gehörte. Wir schreiben an einem Paper darüber, ob Machine Learning uns dabei helfen kann, auf Basis vergangener Renditen zukünftige Renditen am Anleihenmarkt zu prognostizieren. In dieser Richtung, also Data Science, Data Analytics sowie Machine Learning und dessen Potenzial für die Finanzindustrie, möchte ich gern weiter forschen.

Möchten Sie Ihren Studierenden etwas außerhalb der Lehre mitgeben?

Es gilt für die Lehre, für den Beruf ebenso wie für das Privatleben: Es schadet auf keinen Fall, aktiv zu sein. Man sollte sich nicht nur mit den Themen befassen, die einem vor die Füße fallen, sondern sich selbst welche suchen und eigenständig Interessen entwickeln. Mit dieser Offenheit bleibt man einerseits am Ball, kann aber andererseits auch neue Talente in sich entdecken.

Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?

In erster Linie verbringe Zeit mit meiner Frau und meinem Sohn, der noch sehr klein ist. Außerdem spiele ich gern Fußball, mache Jazz-Musik und lese gern.