Für mehr Miteinander im Projektmanagement

Der neue Projekt-Engineering-Professor Dr. Matthias Hümmer im Gespräch

Für die einen komplex, für die anderen abwechslungsreich: Die Studienrichtung Projekt Engineering an der DHBW Mannheim ist alles andere als eintönig. Sie verbindet Basiswissen aus Naturwissenschaften, Maschinenbau, Elektrotechnik und BWL mit Projektmanagement und Führungskompetenzen, sodass Absolvent*innen fit für anspruchsvolle Projekte im Digitalisierungs- und Industrie-4.0-Kontext sind. Neu im Team der Professor*innen ist seit 1. April 2021 Prof. Dr. Matthias Hümmer. In 16 Jahren Berufstätigkeit im Anlagen- und Kraftwerksbau hat er insbesondere Empathie und Kommunikationsfähigkeit als Kompetenzen für erfolgreiches Projektmanagement erkannt und bringt diese vertrauensbildenden Elemente zur gelingenden Projektabwicklung nun seinen Studierenden näher. 

Herzlich willkommen an der DHBW Mannheim, Herr Prof. Dr. Hümmer. Geben Sie uns einen Einblick in Ihren Werdegang? Warum haben Sie sich für eine Professur an der DHBW Mannheim entschieden?

Sehr gern. Zunächst habe ich in Würzburg Mathematik und Physik auf Lehramt studiert, habe dann jedoch auf Mathematik-Diplom gewechselt, um fachlich tief einzusteigen. Das i-Tüpfelchen, eine Promotion, hat jedoch nicht gleich nach Studienabschluss geklappt. Daher bin ich als Berechnungsingenieur im Großanlagen- und Kraftwerksbau bei der AREVA GmbH (jetzt Framatome GmbH) eingestiegen. Dort konnte ich über fachliche Themen in internationalen Forschungsprojekten auch erste Projekterfahrungen sammeln. Dabei habe ich gemerkt, dass mir Projektmanagement und Projektleitung sehr gut liegen, weshalb ich mich beruflich dann verstärkt in diese Richtung orientiert und mein praktisches Wissen vertieft habe. So kam ich in den Genuss, mehrere Monate in China zu arbeiten und insbesondere kulturelle Eigenheiten und Unterschiede kennenzulernen. Dabei habe ich die Relevanz von Kommunikationsfähigkeit und Empathie zu schätzen gelernt.

Trotz dieser sehr schönen und interessanten Arbeiten hat mich der Traum zu promovieren und möglicherweise im Anschluss an einer Hochschule zu lehren nie losgelassen. Verwirklicht habe ich die dazu nötigen Schritte schließlich berufsbegleitend: Ich habe meinen Master of Business Administration an der FOM Hochschule absolviert und dann doch in Erlangen-Nürnberg an der technischen Fakultät der FAU bei Herrn Prof. Dr. Schlücker promoviert. Lehrveranstaltungen habe ich in dieser Zeit auch gehalten und – obwohl ich während der Studienzeit vom Lehramt weggekommen bin – meine Begeisterung für die Lehre wiederentdeckt. Nach fast genau 16 Jahren in der Wirtschaft war es dann soweit: Ich habe den Entschluss gefasst, meine Erfahrungen sowie relevantes Projektwissen im Anlagen- und Kraftwerksbau an Studierende weiterzugeben. Glücklicherweise hat es an der DHBW mit der Lehrtätigkeit geklappt. Erst in Form eines Lehrauftrags und dann seit 1. April als hauptamtlicher Professor – eine Kombination, die mir den Einstieg deutlich erleichterte.

Was ist für Sie das Besondere an der Dualen Hochschule?

Das Besondere ist natürlich die Dualität, durch die die Studierenden einen enormen Mehrwert, das Optimum aus zwei Welten, erhalten. Über die ersten praktischen Erfahrungen können die gelernten Methoden an Hochschulprojekten und auch in den Praxisphasen direkt eingebracht und praktisch genutzt werden. Diese Anwendungen sind sehr gute Voraussetzungen, um das Wissen im beruflichen Kontext unter anderem für das Projektmanagement einzusetzen. Erfahrungen sind im Projektmanagement besonders wertvoll, da Analogieschlüsse zu anderen Projekten gezogen werden können, auch wenn diese sich inhaltlich und situativ unterscheiden sollten. Dies erlaubt es, problematische Situationen zu antizipieren und dadurch proaktiv handeln zu können.

Welche Veranstaltungen bieten Sie an, was kann man bei Ihnen lernen und was davon finden Sie besonders spannend?

Momentan bilden die Lehrveranstaltungen einen Querschnitt aus den verschiedensten Themen im 4. und 6. Semester der Studienrichtung. Dazu gehören Vorlesungen in Fertigungstechniken, Mediengestaltung, Management Informationssysteme und Angewandtes Projektmanagement. Das Schöne ist, dass die Studierenden auch hier neben der reinen Theorie schon reale Anwendungsfälle bearbeiten, die einen Übertrag von Methoden in die Praxis und einen Kontextwechsel erfordern. Ein spannendes Beispiel dafür ist das Medienprojekt in der Vorlesung Mediengestaltung. Die Studierenden erstellen in kleinen Gruppen eigenständig Filme. Sie durchlaufen alle relevanten Projektphasen – analog zu einem Projekt in der Industrie – und wenden Projektmanagementmethoden an. Hinzu kommen natürlich auch die Aspekte der Mediengestaltung wie Organisation, Dreh, Nachbereitung im Medienlabor samt Umgang mit der Medientechnik. Dabei können viele unerwartete äußere Einflüsse auftreten und ein hoher Grad an Agilität ist gefordert. So wird die Projektmanagementtheorie auf ganz besondere Weise erlebbar.

Generell gefällt mir die Breite der Themen in der Studienrichtung, zumal sie auch für die Anforderungen bei Digitalisierung und Industrie 4.0 in Unternehmen von großer Bedeutung sind. Mich interessiert immer, welche Rolle der Mensch in diesem Spannungsfeld spielt. Wie muss ich mit bestimmten Themen umgehen? Was verändert sich in Bezug auf die Technik oder die Kommunikation? Somit: Welchen Einfluss und welche Auswirkungen existieren auf den Menschen? Das sind Fragen und Themen, die in der Zukunft eine immer stärkere Relevanz haben werden, weil sich die Arbeitswelt in diesem Bereich signifikant ändern wird. Meine Studierenden versuche ich diesbezüglich zu sensibilisieren, darauf vorzubereiten und sie nicht zuletzt als Persönlichkeiten mündiger in ihrer Meinungsbildung und Handlungsweise zu machen.

Was reizt Sie an Ihrer Aufgabe? Haben Sie sich ein bestimmtes Ziel gesetzt?

Mit Studierenden zu arbeiten und die Möglichkeiten, die das Projekt Engineering bietet, machen in Kombination den Reiz aus. Daher ist es mein primäres Ziel, die Lehre in meinen Vorlesungen so zu gestalten, dass die Studierenden möglichst viel mitnehmen können. Insbesondere möchte ich sie zu mehr Selbstständigkeit begleiten und sie in ihrer Entwicklung unterstützen, sodass sie gestärkt und mit einem soliden Methodenkasten die Hochschule verlassen können. Wichtig ist mir auch, meinen Studierenden eine gewisse Flexibilität, Offenheit und Problemlösungskompetenz zu vermitteln, da sie auch gesellschaftlich und im Beruf von einem verlangt wird. Veränderungen passieren sehr schnell – in der Arbeits- und Wirtschaftswelt, national wie international. Sich anzupassen und mit diesen umgehen zu können, ist im heutigen Zeitalter eine elementare und wertvolle Fähigkeit.

Was planen Sie für Ihre Forschungstätigkeit?

Zu Beginn möchte ich mich auf die Lehre konzentrieren und mich gut in der Hochschule bzw. in der Studienrichtung integrieren. Aber dann würde ich gern an die Forschungsschwerpunkte aus meiner Dissertation anknüpfen und mich in einem Mix aus Digitalisierung, Industrie 4.0, Komplexitätsbeherrschung und Projektmanagement bewegen. Hier sind einige Aspekte offen, die man vertiefen könnte. Interessante Möglichkeiten bieten sich bspw. über die Verknüpfung von Großanlagenbau und Digitalisierung sowie auch über die Studierendenprojekte CURE oder DANTE.

Inwiefern können Studierende von Ihrem beruflichen und wissenschaftlichen Know-how profitieren?

Indem ich gezielt und kontextbezogen Erkenntnisse, Know-how und Erfahrungen einbringe. Ein Fokus ist hier Kommunikation und Empathie im Projektmanagement. Wenngleich diese Kompetenzen teilweise trivial erscheinen, sind sie aber elementar und essentiell wichtig, um ein Projekt erfolgreich zu realisieren. Auch wenn die Aufgabenstellung klar ist, muss man herausfinden, wann bspw. eine digitale und wann eine persönliche Kommunikation sinnvoll ist, um Missverständnisse zu vermeiden. Denn Missverständnisse können durch schlechte Kommunikation zu einem Gegeneinander statt zu einem Miteinander führen und folglich in einem Projekt schnell in Projektverzögerungen oder erhöhten Kosten münden. Hier muss man als Projektmanager*in oder -leiter*in über Empathie die Situation erkennen, immer wieder vertrauensbildend zwischen den beteiligten Parteien agieren, muss die Perspektive wechseln, Verständnis füreinander haben und kann so das Projekt in eine positive Richtung lenken. Daher sollte man im Projektmanagement einen besonderen Fokus auf diese beiden Kompetenzen legen. Neben den Hard Skills der Studienrichtung (d. h. die technischen und betriebswirtschaftlichen Vorlesungen) werde ich das meinen Studierenden mitgeben. Am besten klappt das in Präsenzveranstaltungen, weshalb ich mich schon sehr darauf freue. Und ich denke, die Studierenden auch! Sie haben schon deutlich erkannt, dass nicht alles rein digital vermittelt werden kann.

Haben Sie einen Tipp für ein erfolgreiches Studium?

Da es sich um 3 sehr intensive Studienjahre handelt, sind Leidenschaft, Spaß und Freude gute Voraussetzungen, um das Studium mit Kraft und Motivation erfolgreich zu bestehen. Und ich möchte jeder*m empfehlen, sich um ihre*seine sozialen Kontakte zu kümmern und Studienfreunde zu finden, die im besten Fall zu Freundschaften fürs Leben werden. Gemeinsam ordentlich zu feiern, macht nach harter Arbeit noch viel mehr Spaß.

Gibt es etwas, das Sie Ihren Studierenden mit auf den Weg geben möchten (außerhalb der Lehre)?

Ich finde es sehr hilfreich, neugierig und offen zu bleiben und mit Freude bei der Sache zu sein. Gleichzeitig aber auch kritisch zu sein und immer zu hinterfragen. Außerdem werbe ich für mehr Miteinander statt eines Gegeneinanders, und möchte die Sensibilität dafür auch in meinen Studierenden wecken. Leider befinden wir uns in einer Ellenbogengesellschaft und wir haben es etwas verloren, auf unsere Mitmenschen Rücksicht zu nehmen. Ein Miteinander hilft nicht nur im beruflichen, sondern auch sehr im privaten Umfeld – denn diese beiden Bereiche lassen sich durch unsere immer stärker vernetzte Gesellschaft kaum noch trennen. 

Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?

Das ist unterschiedlich, aber ich treffe mich sehr gern mit Freunden und reise auch sehr gerne, um andere Länder und Kulturen kennenzulernen. Ich freue mich darauf, wenn das wieder möglich ist. Dazu wandere und jogge ich gern, da werde ich in der Region sicher einige schöne Ecken zum Erkunden finden. Zusätzlich habe ich mir vorgenommen, wieder etwas mehr Fahrrad zu fahren – die Distanz von meiner Wohnung zum Eppelheimer Campus bietet sich sehr gut dafür an. So kann ich wieder Kraft für die verschiedenen Aufgabenstellungen tanken.

Vielen Dank und alles Gute, Herr Prof. Dr. Hümmer!